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Politik

Mit Fleiss zum Erfolg

Ein neuer Dachverband und eigenständige Strukturen: Um wieder Zugang zur Jugend+Sport-Anerkennung zu erhalten, müssen sich verschiedene Jungscharen neu organisieren.

«Der christliche Glaube ist Garant, nicht Gefahr für die Mündigkeit», betont Gottfried Locher. Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) reagierte so auf einen neuen Verordnungstext des Bundesamts für Sport (Baspo). Dieses glich in diesem Frühling seine Anerkennungskriterien für christliche Jugendverbände dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) an: Verschiedene Jungscharverbände sollten im Zuge dessen aufgrund ihrer starken religiösen Ausprägung keine Jugend+Sport-Beiträge mehr erhalten.

Fördern statt hindern
Im Rahmen der Vernehmlassung zum neuen Verordnungstext, welcher der Angleichung
die rechtliche Basis geben soll, reagierte der SEK mit Unverständnis. Insbesondere äusserte sich der Kirchenbund zur Frage des religiösen Einflusses. Er weist «die pauschale Auffassung zurück, dass Jugendorganisationen mit starker religiöser Ausprägung eine Gefahr für die Entwicklung des Jugendlichen darstellen.» Vielmehr gehe er davon aus, dass ihr missionarisches Wirken die Entwicklung des Jugendlichen zu einer verantwortlichen Person nicht nur hindern, sondern auch fördern kann. Der SEK weist zudem auf die Religionsfreiheit hin, welche gemäss Bundesgericht das Recht auf Werbung für eine Religion enthält, solange diese nicht mit Druck oder Manipulation geschieht. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz folgte dem SEK in seiner Argumentation. Auch der Thurgauer Regierungsrat äusserte sich gegen die Baspo-Begründung (siehe Kasten).

Jungscharen organisieren sich neu
In einem Schreiben kündigte das Baspo den betroffenen Jungscharverbänden den Verlust
ihrer Jugend+Sport-Anerkennung bereits an. Mehrere Bundesparlamentarier wurden zusammen mit diesen Verbänden und der Schweizerischen Evangelischen Allianz aktiv und verhandelten mit Bundesrat Guy Parmelin, dem Baspo und dem BSV. Das Verhandlungsresultat sieht die Gründung eines neuen Dachverbandes der betroffenen Jungscharverbände vor. Zur Anerkennung werden sich die lokalen Jungscharen zudem als eigenständige Vereine konstituieren und in den Statuten der «Charta christliche Kinder- und Jugendarbeit» verpflichten müssen. Letzteres entspricht bereits der Praxis – die ersten beiden Bedingungen bedeuten einen organisatorischen Aufwand auf verschiedensten Ebenen. Davon betroffen sind auch neun Thurgauer Kirchgemeinden mit Jungscharen, die dem Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (Besj) angeschlossen sind.


(David Gysel, 22. Juli 2017)

 

Regierungsrat übt Kritik

Der Thurgauer Regierungsrat hat wie der SEK mit Unverständnis auf den Jugend+Sport-Ausschluss einiger christlicher Jugendverbände reagiert. In der Vernehmlassungsantwort schreibt er wörtlich: «Der Regierungsrat erachtet die Begründung, die das Baspo für den Ausschluss einiger Jugendverbände geltend macht, als nicht nachvollziehbar und lehnt diese ab. Zudem ist nicht erkennbar, anhand welcher Kriterien darüber zu befinden ist, ob bei einem Jugendverband die Glaubensvermittlung und nicht die Entwicklung und Förderung der Jugendlichen im Zentrum steht.» Der Bundesrat strebte an, dass Organisationen, bei denen die Glaubensvermittlung und nicht die Entwicklung des Jugendlichen im Zentrum steht, von der Jugend+Sport-Unterstützung ausgeschlossen werden. (pd)