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Kirche

Zwiegespräch in der Gefängniszelle

15.09.2022
Im Bettagsvideo der Evangelischen Landeskirche sprechen die Thurgauer Regierungspräsidentin Cornelia Komposch und Kirchenratspräsidentin Prof. Dr. Christina aus der Au in einer ehemaligen Gefängniszelle über das Thema «Busse».

 

Mit dem nicht ganz einfachen Thema «Busse» setzt sich die Videobotschaft auseinander, die der Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag vom kommenden Sonntag, 18. September 2022, auf Youtube veröffentlicht hat. Nach 2021 ist es das zweite Jahr, in dem seit Jahrzehnten in gedruckter Form herausgegebene Bettagsbotschaft durch ein Video ersetzt wurde. Sehen Sie hier das Bettagsvideo an.

Gefängniszellen im ehemaligen Kantonalgefängnis
Das Video zum Bettag 2022 ist als Gespräch zwischen der Thurgauer Regierungspräsidentin Cornelia Komposch und der Thurgauer Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au gestalten. Drehort für das Gespräch waren die im Naturmuseum des Kantons Thurgau in Frauenfeld noch erhaltenen Gefängniszellen im ehemaligen Kantonalgefängnis an der Freiestrasse. Die beiden Gefängniszellen werden im heutigen Naturmuseum als WC's für die Besucherinnen und Besucher genutzt.

Lutherwort: «Dass Euer ganzes Leben Busse sein soll»
Zwischen den Gitterstäben der ehemaligen Gefängniszellen sind Regierungspräsidentin Corniela Komposch – sie ist als Chefin des kantonalen Departements für Justiz und Sicherheit unter anderem für den Straf- und Massnahmenvollzug und für die Polizei zuständig – und Kirchenratspräsidentin Prof. Dr. Christina Aus der Au im Bettagsvideo im angeregten Gespräch zum Thema «Busse». Ausgehend von Ordnungsbussen im Strassenverkehr führt der Gesprächsfaden zur ersten der 95 Thesen «Dass Euer ganzes Leben Busse sein soll», die der Reformator Martin Luther zum Auftakt der Reformation an die Türe der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen hatte.

«Umkehr» und zum Umgang mit den eigenen Grenzen
Der weitere Verlauf des Gesprächs führt weg von der Begleichung einer Schuld hin zur «Umkehr» und zum Umgang mit den eigenen Grenzen und Unzulänglichkeiten. Regierungspräsidentin und Kirchenratspräsidentin reden über ihre Grundhaltungen und darüber, dass sie aufrecht und offen und transparent ihre Verantwortung in Politik, Gesellschaft und Kirche wahrnehmen. Als Politikerin bezieht sich Cornelia Komposch dabei auf ihren Amtseid und die Verpflichtung, dem Allgemeinwohl zu dienen. Aufrichten aus der Verkrümmtheit in sich selbst Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au denkt laut darüber nach, was wäre, wenn Busse als «Umkehr zum Leben» verstanden und gelebt würde: «Sich unser ganzes Leben immer wieder aufrichten aus der Verkrümmtheit in sich selbst, befreit und vergnügt, im Wissen darum, das für uns gesorgt ist. Und uns darum immer wieder auch befreit anderen zuwenden. Das wäre eine Busse, die sich durchhalten lässt und uns und unserer Umwelt guttut.»

Sich selbst nicht so wichtig nehmen
Trotz unterschiedlicher Erfahrungswelten und Betrachtungsweisen finden sich Cornelia Komposch und Christina Aus der Au am Ende des Bettagsvideos in einer gemeinsamen Busshaltung: Sich selbst aus dem Fokus nehmen, sich selbst nicht so wichtig nehmen.

 

(Ernst Ritzi)


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