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Spiritualität

Wegzeichen von Micha Rippert

21.04.2022
Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Pfade! Psalm 25,4

Standhaft, ausgerichtet, Wind und Wetter trotzend und erhellend stehen sie da und warten darauf, jeder und jedem Suchenden den Weg zu weisen. Die gelben Wegweiser der Schweizer Wanderwege sind im ganzen Land bekannt.

Als das kleine Kursschiff mich kürzlich für eine Frühlingswanderung nach Quinten über den dunkelblauen Walensee transportierte, waren die gelben Wegweiser schon aus weiter Entfernung am Ufer zu erkennen. Sie sind beinahe unübersehbar und in ihrer Ausrichtung auch meistens klar. Ich konnte mich daran wunderbar orientieren und die Wanderung entlang des Walensees war ein wahrer Genuss.

Für David, den Verfasser des Psalms 25, scheint der Weg nicht gleich klar zu erkennen gewesen zu sein. In seiner Bitte, Gott solle ihm seinen Weg zeigen und seine Pfade lehren, kommt sein Wunsch nach Orientierung zum Ausdruck. David bittet Gott, ihm seine Wege und Pfade zu zeigen. Wie schön wäre es doch, wenn Gottes Wege so klar wären wie die gelben, unübersehbaren Wegweiser? Oft frage ich mich, ob es überhaupt nötig ist, die Wege Gottes so genau zu kennen. Nicht, dass die Menschheit sie nicht nötig hätte, nein.

Ich denke wieder ans Wandern: Schon oft habe ich mich dabei ertappt, wie ich sehnlichst auf das nächste Wanderzeichen an einem Baum oder einer Strassenlaterne wartete. Je länger es dauerte, umso unsicherer wurde ich. In diesen Fällen merkte ich jeweils ganz praktisch, dass es teilweise durchaus ein wenig Mut braucht, bis zum nächsten Wegweiser weiterzugehen. Im Wissen um die ungefähre Himmelsrichtung geht es jeweils aber doch.

Ich glaube, dass es mit Gottes Wegen ähnlich ist. So unbekannt, wie sie manchmal scheinen, sind sie nicht. Die Richtung ist uns vorgeben. Gott hat der Welt seine Wege durch Jesus Christus offenbart. Es sind Wege der Versöhnung und der Liebe. Es sind die Wege in der Nachfolge Jesu Christi. Oft sind es nur Pfade, die es zu entdecken gilt. Pfade, die mutig unter die Füsse zu nehmen sind. Wie David bittet, sind es Pfade, die gelehrt werden müssen. Jeden Tag bin ich auch aufs Neue darauf angewiesen, die Wege der Versöhnung und der Liebe zu suchen und im Blick auf Jesus Christus zu gehen.

Oft braucht es eine grosse Portion Mut, Schritte auf diesen Wegen bis zum nächsten Wegweiser zu gehen. Doch dann dürfen wir hoffen, denn die Bibel verspricht: «Denn er hat seinen Engeln über dir befohlen, dich auf allen deinen Wegen zu behüten, dich auf den Händen zu tragen, damit du deinen Fuss nicht an einen Stein stösst.» (Ps. 91,11-12)

 

(Autor Micha Rippert studiert Theologie an der Universität Zürich)


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