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Gesellschaft

Energie aus dem Suppenkessel

25.02.2022
Wärmend, wohltuend, doch häufig zu wenig wertgeschätzt: die gute alte Suppe. Letzteres kann und soll sich ändern – denn eine Portion Respekt hat sie mehr als verdient. Das haben die Teilnehmenden des Suppen-Workshops zum Thema «Food Save» durch Vorträge, Löffelschwingen und Verköstigung neu entdeckt.

Was hat denn eigentlich «Food Save» mit Suppe zu tun, und warum organisieren die Hilfsorganisationen Fastenaktion und HEKS plötzlich Kochworkshops? Die Verbindung der Suppe und der Organisationen liegt auf der Hand: Seit Jahren organisieren sie in der Passionszeit Suppentage, um mit etlichen Freiwilligen für ihre Projekte im Süden zu sammeln. Die Menschen in diesen Projekten sowie auf der ganzen Welt leiden unter den Folgen des Klimawandels.

 

«Der Hauptteil von Food Wastes entsteht in den Haushalten (28%).»

 

Dabei ist auch Food Waste ein zentrales Thema: Vom Feld bis in den Teller, also für Produktion und Transport der Lebensmittel, braucht es viel Energie. Überspringen die Lebensmittel den Teller und landen direkt im Abfall, brauchen sie sogar noch mehr Energie. «Das betrifft aber vor allem den Grosshandel und die Gastronomie», war das Echo unter den Teilnehmenden. Sie wurden von Karin Spori, Geschäftsführerin von foodwaste.ch, eines Besseren belehrt: Der Hauptanteil des Food Waste entsteht in den Haushalten (28%), gefolgt vom Detail-/Grosshandel (10%) und der Gastronomie (7%). 

Alles darf rein

Die Suppe ist ein ideales Gericht, welches sich hervorragend für das Verwerten von Lebensmitteln eignet. Die Kartoffel vom Vortag, das krumme Rüebli aus Nachbars Garten, der «blöde» Resten Linsen, der schon seit Langem in der Packung auf den Verzehr wartet. Lokale, saisonale Zutaten, vegan, würzig, erfrischend, cremig, süsslich, herzhaft – der Kreativität sind beim Kochen der Alleskönnerin Suppe keine Grenzen gesetzt. Und das harte Brot von vorgestern kann gleich dazu verspeist werden, denn kurz in der warmen Suppe getunkt, ist von der ursprünglichen Trockenheit nichts mehr zu schmecken. Mit Genuss wurde während des Suppen-Workshops das Brot der «ÄssBar» (frisch von gestern) zu den zwei Suppenvarianten gegessen. Denn nach Inputs, Tipps und Tricks rund um die Themen Suppe, Food Waste und Energie sowie dem Schnippeln, Rühren und Dekorieren blickten die Suppenköchinnen und -köche gespannt und hungrig dem Festmahl entgegen.

Seelen- und Magenwärmer 

Einerseits wird durch das Retten von Lebensmitteln sowie die Verwendung von nur einer Herdplatte Energie gespart, andererseits kann der Mensch dabei selber Energie tanken. Eine Suppe eignet sich nämlich als gemeinsames Kochprojekt, zum Ausleben der Kreativität, zum Teilen mit Mitmenschen, zum Schöpfen von Wärme. Dies spürten auch die Teilnehmenden, welche am Workshop vor allem das Miteinander geschätzt haben. (Suppe--)Kochen als gemeinsames Erlebnis verbindet – ob in der Familie, im Freundeskreis, am Vereinstreffen oder einem organisierten Suppentag. Denn Suppe nährt nicht nur physiologisch, sondern auch emotional. Dabei sind Wertschätzung und Dankbarkeit für die Lebensmittel und so etwas «Simples» wie eine Suppe essenziell. Diese Wertschätzung sei vor allem bei Kindern und Jugendlichen ein bisschen verloren gegangen, meinte eine Teilnehmerin. Der Workshop hat sie dazu inspiriert, ihnen die Folgen von Food Waste, den Respekt gegenüber Lebensmitteln sowie die Schönheit der Gemeinsamkeit weiterzugeben, und somit ihre getankte Energie zu teilen.

Text: Selina Stadler, Fastenaktion | Fotos: Patrik Kummer, HEKS – Kirchenbote SG, März 2022

 

Inputs aus dem Workshop

  • Food Waste verursacht so viel Umweltbelastung wie die Hälfte aller Schweizer Autofahrten.
  • Nicht hungrig einkaufen, keine Angst vor dem Haltbarkeitsdatum (auf gesunden Menschenverstand setzen), besser mit dem Velo als dem Auto einkaufen gehen (gesünder, es wird weniger gekauft, besser für die Umwelt)

Problem: Je günstiger die Lebensmittel, desto geringer die Wertschätzung.

Anteil Ausgaben Lebensmittel am Einkommen: Schweiz: 7%, Kamerun: 45%

Vergleich Anteil Food Waste: Schweiz: 38%, Kamerun: 5%


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