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Kirche

«Erkennen Sie sich wieder?»

15.12.2021
Brunhilde «Pitzi» Bergmann übergibt die Leitung der Fachstelle Information und Öffentlichkeitsarbeit an Claudia Koch. 14 Jahre lang hat sie die Visitenkarte der Evangelischen Landeskirche Thurgau mitgestaltet.

Wenn Pitzi Bergmann auf die Zeit ihrer Tätigkeit für die Evangelische Landeskirche Thurgau zurückblickt, treten Menschen in den Fokus: «Ich habe sehr gerne Menschen portraitiert. Egal, ob dabei die Person selbst, ihr Amt oder ein besonderes Anliegen im Zentrum standen», erläutert sie. «Wichtig war es mir, mein Gegenüber zu spüren und möglichst authentisch darzustellen.» Ihr wichtigste Frage sei jeweils gewesen: «Erkennen Sie sich im Beitrag wieder?»

Neuen Wegen vertraut
Christliche Positionen im ökumenischen Miteinander öffentlich zu machen, habe Pitzi Bergmann am Herzen gelegen. «Es hat mir Freude gemacht, mit den katholischen, evangelischen und freikirchlichen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie wir im Thurgau verstärkt christliche Sichtweisen in unsere Gesellschaft hineintragen können.» Wenn Pitzi Bergmann aus ihrer aktiven Zeit als Öffentlichkeitsbeauftragte erzählt, ist ihre Zufriedenheit spürbar. Sie wird ganz persönlich, wenn sie vom Beginn ihrer Laufbahn erzählt: «Am Vortag meines Vorstellungsgesprächs war mein Vater verstorben.»

Sie erinnere sich gut an die Fahrt von ihrem Elternhaus zur Kirchenratskanzlei und wie sich dabei in ihrem Gefühlschaos eine innere Ruhe ausgebreitet habe. «Das Lied ‹Vertraut den neuen Wegen› hat mich auf der Bodenseefähre und auf der Autobahn mit Zuversicht erfüllt, ich konnte loslassen: sowohl meinen Vater als auch meine Nervosität vor dem anstehenden Gespräch.» Spürbar ist: Hier spricht eine Frau, die ihre Aufgabe gefunden und diesen «Lauf» vollendet hat. Vor allem würden ihr die vielen wertvollen Begegnungen mit Menschen fehlen, die sie in der Zeit ihrer Tätigkeit ein wenig besser kennenlernen durfte: «Eine bessere Arbeitgeberin und tollere Menschen im Arbeitsumfeld hätte ich mir nicht vorstellen können.»

Die Seite gewechselt
Claudia Koch verbindet manches mit ihrer Vorgängerin, sei es das Interesse an den Menschen, sei es die Verbundenheit mit der Kirche. «Mir ist einfach wohl im kirchlichen Umfeld», sagt Koch. Sie sei zwar nicht die regelmässigste Gottesdienstbesucherin, aber sie fühle sich im Alltag getragen und entdecke Gott und sein Wirken besonders in der Natur. Claudia Koch absolvierte die Medienschule in St.Gallen und hat seit mehr als 20 Jahren im Journalismus bei verschiedenen Printmedien gearbeitet.

Dass sie als Reformierte sieben Jahre lang auch für das katholische Pfarreiblatt «forumKirche» gearbeitet hat, hat ihr Profil mitgeprägt. Sie betreute schon bei der katholischen Landeskirche als Mutterschaftsvertretung die Kommunikationsstelle. Diese Tätigkeit habe ihr sehr gefallen. «Als ich das Inserat für die Nachfolge von Brunhilde Bergmann gesehen habe, dachte ich mir: Das ist genau mein Job, nur diesmal auf ‹meiner Seite›.»

«Fake News gibt es genug»
Noch ein halbes Jahr zusammen mit Wilfried Bührer als Kirchenratspräsidenten, später dann mit der bereits gewählten Nachfolgerin Christina aus der Au zu arbeiten, freut Claudia Koch. «Ich bin gespannt, welche Herausforderungen mir begegnen.» In ihrer Arbeit sieht sie sich dem «Journalismus, der auf Fakten basiert und Werte hochhält», verpflichtet. «Fake News gibt es leider genug.» Kochs Wunsch für ihre Vorgängerin: «Dass sie sich nun vermehrt ihrer Familie und den Enkelkindern widmen und allenfalls aufgeschobene Projekte anpacken kann.»

 

(Karin Kaspers Elekes)


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