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Kirche

Evangelium verbindet und motiviert

«Die Freude des Evangeliums» – die Schrift des Papstes verbindet im Thurgau katholische und evangelische Christen. Der Romanshorner Pfarrer Ruedi Bertschi hat sich intensiv damit auseinandergesetzt – unter anderem im ökumenischen Hauskreis, in dem auch der katholische Thurgauer Kirchenratspräsident Cyrill Bischof Mitglied ist. Ein ganz persönlicher Einblick.

Jetzt lese ich es zum dritten Mal. Zwei Mal tat ich es für mich und nun lese ich es in einer Kleingruppe von engagierten Christen. Das Buch hat es in sich: Es macht Mut. Es fordert heraus. Es weitet das Herz. Es führt konsequent in die Bibel hinein und ins Leben hinaus. Das Buch feiert dieses Jahr seinen fünften Geburtstag und ist dennoch so frisch und fröhlich, tiefsinnig und treffend wie je zuvor. Es handelt sich um die erste vollständige Schrift von Jorge Mario Bergoglio, die er als Papst Franziskus im fortgeschrittenen Alter von 76 Jahren geschrieben hat. Sein Titel: «Die Freude des Evangeliums».

«Zuerst mal ein Aufsteller»
Für mich als kleiner Pfarrer einer grösseren Thurgauer Gemeinde, in der jährlich zehnmal mehr Leute aus- wie eintreten, ist das Buch zuerst mal ein Aufsteller. So heisst es da beispielsweise: «Das Leben wird reicher, wenn man es hingibt. Es verkümmert, wenn man sich isoliert und es sich bequem macht. In der Tat, die grösste Freude am Leben erfahren jene, die sich nicht um jeden Preis absichern, sondern sich vielmehr leidenschaftlich dazu gesandt wissen, andern Leben zu geben.»

Lieber «verbeult» als bequem
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und Abbrüche. Gewiss! Manchmal werden wir etwas ängstlich und verzagt. Franziskus aber schreibt: «Wenn der Sämann inmitten des Weizens das Unkraut aufkeimen sieht, reagiert er nicht mit Gejammer und Panik …» Im Gegenteil: «Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient.» Und vielleicht noch dies: «Mir ist eine ‹verbeulte› Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Strassen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schliesslich in eine Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist.»

Leidenschaftlich, lohnenswert
Wer dieses Buch liest, spürt den leidenschaftlichen Bischof aus Südamerika, wo die Schere zwischen Arm und Reich noch viel grösser ist als bei uns. Er ringt um die Würde des Menschen, gerade auch um die Würde der Armen, die für die Reichen und Mächtigen wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht interessant sind. Wörtlich sagt er: «Die Ausgeschlossenen sind nicht ‹Ausgebeutete›, sondern Müll und ‹Abfall›.» Durch seine Erfahrungen in Südamerika entkräftet Franziskus die «Trickle-down-Theorie» (wenn die Reichen reicher werden, geht es den Armen automatisch auch besser). Er hat beobachtet, dass zunehmender Reichtum nicht automatisch auch freigiebiger und spendenfreudiger macht. Und vielleicht haben Sie gemerkt: eine Lektüre lohnt sich durchaus auch für Evangelische.


Papst Franziskus: «Die Freude des Evangeliums», Verlag Herder, 320 Seiten, ISBN: 978-3-451-33492-4


(Ruedi Bertschi, 23. Januar 2018)


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