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Kirche

Erstaufführung in Weinfelden: Wach auf!

Am Festgottesdienst zum 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober in Weinfelden gelangt die Reformationskantate von Ambrosius Blarer, neu arrangiert von Musiker und Chorleiter Ruedi Keller, zur Aufführung.

Kürzlich wurde Ruedi Keller aus Neukirch an der Thur, gefragt, welches sein schönstes Lutherlied sei – die Antwort des Musikpädagogen und Chorleiters: «Wach auf, wach auf, s’ist hohe Zeit» mit dem Text von Reformator Ambrosius Blarer und der Melodie von Melchior Vulpius, Lied Nummer 789 im evangelisch-reformierten Gesangsbuch. Das Lied ist ein Weckruf an den schlafenden Jesus Christus angesichts der «Seenot» der Kirche.

Lied verkörpert Reformation

Ruedi Keller hat also ein Lieblingslied, welches für ihn die Reformationszeit verkörperte. «Eine spannende Zeit, in der zwei verschiedene Weltbilder aufeinander prallten», sagt er. Obwohl seit vielen Jahren Kirchenchorleiter, hatte er dieses Lied bislang aber noch nie mit einem Chor einstudiert: zu lang und zu eintönig, so seine Überzeugung. Und doch hat ihn dieses Lied nicht mehr losgelassen. Er tat, was er als Musikpädagoge aufgrund einseitiger Chor- oder Orchester-Besetzungen öfters tun musste: Er arrangierte das Lied um, diesmal aber mit dem Anspruch, die damalige Befindlichkeit zum Ausdruck zu bringen – es in die heutige Zeit zu transportieren. Mit dem Kirchenchor von Neukirch an der Thur – den er über 15 Jahre dirigiert hatte – wird Ruedi Keller sein neues Arrangement nun am Festgottesdienst erstmals zur Aufführung bringen. Der derzeitige Chorleiter von Neukirch an der Thur werde sich dabei solistisch betätigen. Eine Herausforderung, denn das Lied beginne mit einer einzelnen Stimme im Sprechgesang, bei der zweiten und dritten Strophe würden dann Ober- und Unterstimme dazu kommen, dann setze Instrument um Instrument ein und mit dem Gesamtchor gehe es dann zum Höhepunkt der Kantate, erklärt Ruedi Keller die Dramaturgie seines musikalischen Arrangements. Es soll unter die Haut gehen, berühren, eine Botschaft transportieren.

Musik schafft Verbindungen

Musik kann nicht nur berühren, sie kann auch verbinden, ist Ruedi Keller überzeugt, und solche Verbindungen interessieren ihn immer mehr: Verbindungen zwischen Zeitepochen, zwischen Kulturen und Menschen. In seinen Chören singen die verschiedensten Menschen aus verschiedensten Beweggründen gemeinsam, bringen und fügen sich ein, hören aufeinander.
Die ersten prägenden und musikalisch berührenden Erlebnisse hatte Ruedi Keller im Jugendchor in Frauenfeld. «Ich war kein speziell guter Sänger, aber die Musik liess mich nicht mehr los, und deshalb absolvierte ich mein Musikstudium auf der Oboe – ein Instrument für die schönen Melodien», erzählt Ruedi Keller von seinem Werdegang. Die Oboe sei nicht einfach zu spielen, wenn man es nicht beherrsche, töne es schrecklich. Während seines Studiums sei deshalb auch immer die Klangqualität, die Klangbildung, im Mittelpunkt gestanden, die Virtuosität komme mit der Übung wie von selbst. Auf die Klangqualität legt Ruedi Keller bis heute grossen Wert; es sei insbesondere der reine Klang, die Harmonien, die berühren würden.

 

(Barbara Hettich, 23.09.2017)

 

Festgottesdienst zum Jubiläum

Der Festgottesdienst zum 500. Jahrestag der Reformation findet am Dienstag, 31. Oktober, um 19.15 Uhr, in der evangelischen Kirche in Weinfelden statt. Die Predigt hält Gottfried W. Locher, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds. Mit der Aufführung von «Wach auf, wach auf», dürfen sich die Besucher auf ein musikalisches Erlebnis freuen.